Im Rahmen eines technischen Seminars in München gab ASUS für seinen Mainboardbereich einen Vorgeschmack auf die in wenigen Wochen stattfindende Computex. Im Fokus stand dabei die nächste Generation von Platinen für Intel-CPUs basierend auf dem
P45. Für die P5Q genannte Serie hat sich ASUS eine Reihe von Features überlegt, mit denen der Hersteller Alleinstellungsmerkmale im Markt erzielen und das Herz der Übertakter ein weiteres Mal gewinnen will.
In den beiden Modellen am oberen Ende der Ausstattungsliste, benannt P5Q3, P5Q Deluxe und P5Q Premium verbaut ASUS einen 16-phasigen Spannungswandler, der eine explizite Langlebigkeit und Stabilität bei Lastwechseln versprechen soll. Der Wirkungsgrad, also das Verhältnis zwischen aufgenommener und abgegebener Leistung, soll Spitzenwerte von 96% erreichen und im Vergleich zum Wettbewerb durchweg 10% höher liegen. ASUS verwendet dafür ausschließlich Fujitsu RE Series 560uF Kondensatoren, die 5000 Betriebsstunden durchhalten sollen.
Auf dem Pfad der grünen IT setzt ASUS auf die "EPU-6 Engine" und verspricht damit "real-time, auto-optimized power management" für die sechs Bereiche CPU, Grafik, Speicher, Chipsatz, Festplatte und Lüfter, zumindest für ausgewählte Modelle, die ASUS in einer Liste auf der Webseite aufführt. Ein Windows-GUI lässt die Nutzung vorkonfigurierter oder manuell definierter Profile zu - wie es sich heute gehört, natürlich nicht nur zum Energiesparen, sondern auch zum Übertakten auf Mausklick. Allerdings funktioniert das Konzept eben nur mit dem ASUS-Tool, das ausschließlich unter Windows lauffähig ist. In einer Demo verglich ASUS sein EPU-6 auf dem P5Q3 mit dem ähnlichen DES des Herstellers Gigabyte auf deren GA-X48-DQ6. Eine Reduktion der Leistungsaufnahme für ein System mit Quad-Core CPU und GeForce 8800GT im idle von 133 W ohne EPU auf 98W mit EPU konnte gezeigt werden. Das Gigabyte-Board im Vergleich konnte durch DES seine Leistungsaufnahme von 125 W auf 114 W reduzieren. Die Reduzierung erfolgt durch Absenkung von Takten und Spannungen sowie der Abschaltung von Phasen der Spannungsregler für CPU, Speicher und Chipsatz.
Als weiteres Feature enthalten diverse ASUS-Platinen zukünftig "ExpressGate". Darunter versteht ASUS ein kleines eingebettetes Betriebssystem, das in wenigen Sekunden bootet und Basisfunktionalitäten wie Internetzugang, Skype, Festplattenmanagement, Audio oder Bildbearbeitung enthält. Höherpreisige Platinen enthalten 512 MB Flashspeicher mit der Software, andere Platinen werden mit "ExpressGate Light" ausgestattet, das in einer versteckten Partition auf der Festplatte abgelegt wird.
Mit dem angesprochenen Festplattenmanagement ist "Drive Xpert" gemeint. Beim Anstecken zweier Festplatten an speziell markierte Ports auf dem Mainboard lassen sich mit wenigen Mausklicks die Optionen "EZ Backup" und "Super Speed" einrichten. Für alle, für die das nach einem profanen Assistenten zur Einrichtung eines RAID 0 bzw. RAID 1 klingt, hat ASUS die Antwort parat, dass es "so ähnlich" sei. Der Vorteil liegt darin, dass sich diese Option auch nachträglich zur Installation des Betriebssystems auf eine einzelne Platte einrichten lässt und für das Betriebssystem transparent, also ohne Hantiererrei mit Treibern, funktionieren soll.
In einem sehr technisch geprägten Beitrag gab ASUS einen Einblick, wie man gedenkt, weitere Overclocking-Möglichkeiten zu eröffnen. Mit den kommenden ASUS P45-Platinen (sowohl DDR2 als auch DDR3) führen die Boardplaner den "Mem OC Charger" ein. Darunter ist zu verstehen, dass diverse Kompensationsmechanismen etabliert wurden, mit denen die Signalqualität zwischen Speichercontroller und Speicherchips verbessert werden können. Dazu gehören "Training" zur Kalibrierung der Signallaufzeiten ebenso wie Reduzierung von Jitter oder die Anpassung von Signalflanken. Um es auf einen Punkt zu bringen, fasste man es dahingehend zusammen, dass mit ASUS' Errungenschaften mehr (Speicher)Overclocking bei geringerer Northbridgespannung möglich ist...
Auf Nachfrage erklärte ASUS, dass die neuen Features vorerst auf Intel-Platinen beschränkt sind, da vieles chipsatzabhängig ist. Über kurz oder lang werden aber auch die AMD-Mainboards mit äquivalenten Features, z.B. bei EPU ausgestattet. Beginnen wird dieser Prozess mit der Ausweitung von ExpressGate-fähigen Mainboards.
Final gab es als Premiere das eigentlich erst für die Computex gedachte neue Board für die "Republic of Gamers" zu sehen. Das Maximus II Formula setzt ebenfalls auf den P45, wie auch der Vorgänger als DDR2-Version. Wie schon früher legt ASUS die Soundoption als separate Riser-Card bei. Die Besonderheit ist dieses Mal, dass der Audio-Riser in Zusammenarbeit mit Creative Labs entstand, so dass die "SupremeFX"-Karte unter der X-Fi-Flagge segelt und zumindest EAX4.0 unterstützt.
Ebenfalls neu ist, dass eine Funktionalität ähnlich des oben erwähnten Drive Xpert integriert ist. bei Nutzung der beiden speziell gekennzeichneten Anschlüsse schaltet das Board automatisch ein Stripe Set (also RAID 0), was eine Beschleunigung der Datenzugriffe ermöglicht, ein Backup aber bekanntlich noch unabdingbarer macht. Auch hier soll eine Einrichtung nachträglich und transparent für das Betriebssystem möglich sein.
Über Preise der neuen Platinen wurde nichts bekannt, es soll sich aber alles im Bereich der jeweiligen Vorgänger bewegen.
[tm]