Die ARD
wollen im Internet zukünftig ein spezielles Nachrichtenformat "Tagesthemen Interaktiv" anbieten, das dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, den Inhalt gezielt zu steuern. Man wolle sich davon entfernen, die ausgestrahlten Sendungen schlicht auch im Internet anzubieten, sondern möchte dort vielmehr die zusätzlichen Möglichkeiten nutzen, um den Informationsgehalt weiter zu steigern.
Konkret könne die Sendung an jeder Stelle gestoppt und durch weitere Beiträge mit ausführlichen Informationen zum gerade behandelten Thema ergänzt werden. Damit greift die ARD die erst kürzlich getroffene Entscheidung über die Aufgabenverteilung und Kompetenzbereiche der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zum Internetauftritt auf und beschreitet Stück für Stück neue Wege.
Studie bescheinigt interaktiven Inhalten wenig Zuspruch
Kritisch an diesem Pfad dürfte jedoch eine passende
Studie der Firma User Interface Design (UID) sein. Diese hat herausgestellt, dass nur wenige Anwender überhaupt Interesse an interaktivem Fernsehen haben. Hinzu kommt, dass viele Käufer von Set-Top-Boxen zum Empfang von digitalen Inhalten häufig schon mit der Installation der Geräte überfordert sind.
Vorteilhaft erweist sich beim digitalen Fernsehen der elektronische Programmführer (EPG) als Ersatz für eine Fernsehzeitung. Das Bedürfnis, Sendungen zu bewerten oder an Freunde weiterzuleiten, haben hingegen nur wenige. Ebenfalls bestehe laut Studie kaum Interesse, sich in Quiz-Shows oder bei Shopping-Sendern am Programm zu beteiligen. Hier bevorzugt man weiterhin eine eher passive Rolle.
Insgesamt stimmen die Nutzer damit zwar für eine stärkere Verschmelzung von Internet und TV, doch beharren sie weiterhin auf ihrer passiven Rolle. Offenbar besteht hier ein klarer Unterschied Inhalte zu konsumieren, oder sie selbst zu gestalten. Das dürfte insbesondere damit zusammenhängen, dass wohl nur wenige Anwender nach eine anstrengenden Arbeitstag noch das Bedürfnis haben, sich noch aktiv mit Informationsbeschaffung oder ähnlichem zu beschäftigen. Denkbar ist auch, dass der Wunsch nach Interaktion schon ausreichend durch Computerspiele und entsprechende Web-Angebote befriedigt wird, während man Fernsehen doch lieber zur Entspannung nutzt.
Aus dieser Blickrichtung könnte die ARD durchaus den Zahn der Zeit getroffen haben. Während Nutzer vorm TV weiterhin das gewohnt aufbereitete Programm genießen, können Internet-affine Anwender auf Wunsch die interaktiven Vorteile nutzen und den Detailgrad der Themen entsprechend an eigene Bedürfnisse anpassen.
[rl]